Genealogische Datenbank von Thomas J. Zimmermann aus Kleinwallstadt mit Daten von Vorfahren, Verwandten und vielen Anderen. /

Thomas J. Zimmermann\'s genealogical database contains ancestors, relatives and many others.


Ahnenkennziffer : 3.824
  • Geboren ca. 1595
  • Verstorben - Amorbach

 Eheschließungen und Kinder

 Notizen

Hinweis zur Person

Bergsträßer Heimatblätter ---

Beiträge Zurheimatkunde von Bensheim und Umgebung ---

Schriftleiter: Diether Blüm, Bensheim ---

Nr. 6 ---

Beilage zum "Bergsträßer Anzeiger---

Freitag, 15. Juli 1983 ---

Josef Fertig, Gießen: ---

Der Familienname Fertig ---

der Familienname Fertig ist im deutschen Sprachgebiet sehr selten, dagegen dürfte es in Bensheim immerhin 30 bis 40 Familien dieses Namens geben und dies, obwohl in den letzten 150 Jahren viele Bensheim verlassen haben und nicht wenige nach Nord-Amerika ausgewandert sind. Indessen ist dieser Familienname noch nicht lange in Bensheim heimisch, denn erst vor etwa 200 Jahren tauchten vier Brüder und eine Schwester Fertig in Bensheim auf. Sie heirateten in alte Bensheimer Familien ein, die inzwischen teilweise längst ausgestorben sind (Gambel, Traupel, Ohl, Seubert), und gelangten schnell zu Ansehen und, da sie ungefähr 30 Kinder hatten, ist es nicht verwunderlich, daß dieser Familienname so häufig ist. ---

Wenn man in einer fremden Stadt lebt, dort nach seinem Namen gefragt wird und angibt, Fertig zu heißen, wird man meist mit einem ungläubigen Lächein noch einmal danach gefragt. Auf Briefen steht als Adressat Freitag oder Ferty, wie es mir erst kürzlich wieder ergangen ist. Das war früher schon so, wie in 30 Jahre alten Kirchenbüchern festzustellen ist.

Nach Meinung einiger Namensforscher soll der Familienname Fertig als Beiname entstanden sein, weil einer immer gleich fertig war. So ging z. B. in Marktheidenfeld a. M. die Mär, daß die Fährleute, wenn die Fähre abfahrtbereit war, dem Fährmann "fertig&" zugerufen hätten und daher einer dieser Leute den Namen Fertig erhalten hätte. Die Tatsache, daß in Südtirol die Namen Ferdik und Ferdigg häufig sind, ließ mich vermuten, daß der Name aus dem Tirolischen stammt. Tiroler sind früher als Händler oder Saisonarbeiter in unsere Gegend gekommen, weil sie in ihrer Heimat wegen des ungünstigen Klimas, des kargen Bodens und des Kinderreichtums kein Auskommen hatten, Mancher dieser "Fortgeher" ist auch, besonders nach dem 30jährigen Krieg, als durch Pest und Kriegsnöte unsere Heimat 2/3 ihrer Bevölkerung verloren hatte und deswegen viele Bauernhöfe keinen Besitzer mehr hatten, hier geblieben, hat eine einheimische Frau geheiratet oder seine Familie nachgezogen. ---

Diese Annahme mußte als falsch fallen gelassen werden; denn die Südtiroler Ferdiks und Ferdiggs kommen aus dem Gadertal in den Dolomiten Dert wohnt heute noch das Restvolk der Ladiner, das eine Sprache spricht, die weder deutsch noch italienisch ist. Menschen aus diesar Gegend dürften schon wegen der Sprachschwierigkeiten kaum ins deutsche Sprachgebiet ausgewandert sein. Auch der Pfarrer in St. Vigl in Enneberg (Gadertal), der mir auf meine Bitte eine lange Ahnenliste Ferdigg zusandte, bestärkte mich in dieser Meinung. Die Herkunft vom siowenischen Namen Fertschnig den es auch in Deutschland gibt , war auszuschließen. ---

Als bei weiterer Nachforschung sich ergab, daß im Gebiet zwischen dem mittleren Main und dem Neckar, also im Spessart und Hinteren Odenwald, der Name verhältnismäßig häufig ist auch unter Bauern, sah ich mich veranlaßt, in dieser Gegend nachzuforschen. Viele briefliche und telefonische Anfragen ergaben auch, daß die Vorfahren vieler Fertig im Rhein-Neckargebiet und im Frankfurter Raurn aus dem Hinteren Odenwald kommen, was nicht verwunderlich ist, da der karge Buntsandsteinboden früher gar nicht soviele Menschen ernähren konnte und die nachgeborenen Söhne zur Abwanderung gezwungen waren. Zu meiner Uberraschung stellte sich auch heraus, daß viele Fertigs aus Pommern kommen. Nachforschungen ergaben, daß alle diese von einern Balthasar Fertig abstammen, der um 1750 den Webern Friedrich des Großen folgte und mit anderen Odenwädern in Pommern angesiedelt wurde. Mit großer Sicherheit ist anzunehmen, daß dieser Balthasar die gleichen Vorfahren hat wie die Bensheimer Fertigs. ---

In verschiedenen Arbeiten über die Entstehung der deutschen Familiennamen wird der Name Fertig von dem Namen Virdung oder Virdune abgeleitet, und zwar soll ein Bauer vielleicht nur eine Viertelhube innegehabt haben oder er soll nur zu einern Viertel der Abgaben (Zehnten) an den Grundherrn verpflichtet gewesen sein. Im ältesten Steuerverzeichnis der Grafschaft Wertheim von 1359 findet man einen einzigen Cuntze Virdung in Unterwittbach bei Marktheidenfeld. Zur Zeit des Bauernkrieges (1525) gab es einen Astrologen Virdung von Haßfurt am Main. In dieser Zeit zogen auch Kaufleute, die diesen Namen trugen, zur Frankfurter Messe. Angehörige einer Sippe Virdung ab Hartung studierten im 16. Jahrhundert in fränkischen Universitäten und ließen sich auch dort nieder. Träger dieses Namens sind heute nicht mehr zu finden. Das mag zu der Annahme geführt haben, daß der Name Fertig aus Virdung entstanden sei. ---

In einern Aufsatz des langjährigen Archivars des Fürstlich Leiningschen Archivs (des früheren Klosterarchivs) Richard Krebs "Die Geschichte des Klosters Amorbach im 14. und 15. Jahrhundert" ist ein Beringer Fertig als Schulmeister des Klosters angegeben. Dieser Fertig ist im Martikelbuch der "Schul zu Heidelberg" mit dem Namen Berngerus Verting aus Hetegebuer 1390, also vier Jahre nach der Gründung der Universität, eingetragen. Hetegebuer ist das heutige Hettigenbeuren, heute Ortsteil von Buchen. Da er schon den akademischen Grad eines Baccalaureus erworben hatte, muß er schon vorher eine andere Universität (vermutlich Paris) besucht haben. Seine Vorbildung dürfte er auf der Klosterschule in Amorbach erhalten haben, also in einer Schule, an der er selbst später als Lehrer wirkte. Als Schreibkundige hatten die Klosterschulmeister nicht nur Unterricht zu erteilen, sondern hatten auch schriftliche Arbeiten zu erledigen und Urkunden anzufertigen, denn die Kunst des Schreibens beherrschten damals nur wenige. ---

Während in früheren Zeiten die Rechte des Klosters als Grundherrn und die Pflichten (Zehnten) der Hubenbauern nach dem Gedächtnis bei den Zehntversammlungen vorgetragen wurden, begann man, um Streitigkeiten auszuschließen, am Kloster Amorbach 1395 ein Güterstands- und Abgabenverzeichnis (Urbar) aufzustellen. Dieses Urbar ist heute noch erhalten. Als dennoch zwischen dem Kloster und den Hornbacher Bauern (Klein- und Groß-Hornbach b. Walldürn) Streitigkeiten entstanden, wurde nach den Schlichtungsverhandlungen am 8. Juli 1422 ein Schriftstück angefertigt und darin bekunden "Raben von Nydek, Fricz von Kuntich und Hans Luvcz, schultheis czu Amorbach", daß "herr Berringer Fertig ein schulmeister vor cziten des Klosters czu Amorbach . . . uff syn eyd, den er der schul czu. Heydelberg getan hat" ausgesagt hat, im Jahre 1397 hätten die Schöffen zu Hornbach ein Weistum über die Gerechtsame des Klosters gegeben, das er "mit. seiner eigen hant in vußers hern des abtz von Amorbach czins buch geschriben". Diese Hornbacher "Kundmachung" ist auf Pergament geschrieben noch heute im Original im Fürstlich-Leiningschen Archiv vorhanden. Es ist reiner Zufail, daß wir hier erfahren, wer Weisungen geschrieben hat, und was für uns interessant ist, daß dies der Berringer Fertig war, der unter dem Namen Berngerus Verting in Heidelberg studierte. Dieser Schulmeister dürfte der erste gewesen sein, der den Familiennamen Fertig geschrieben hat. ---

In diesem Zusammenhang ist heute interessant zu erfahren, daß ein Eid, der bei der Immatrikulation abgelegt wurde, den Studierten für sein ganzes Leben zu Ehrlichkeit und Unbestechlichkeit verpflichtete. Der Schulmeister war damit gewissermaßen der Notar. Das war auch 300 Jahre später noch der Fall. In diesem Schriftstück ist in Hornbach ein Fertings Gut genarmt und im Urbar ein Cuntz Ferting. Im benachbarten Hettigenbeuren ist im Urbar weder ein Ferting noch ein Verting verzeichnet. Vielleicht war der Vater des Berringer nicht Zinspflichtiger des Klosters, möglicherweise stand er in Diensten der Herren von Adelsheim, die in dieser Zeit hier begütert und belehnt waren. Heute steht in Hettigenbeuren noch ein festungsartiger Turm, und es finden sich Reste einer Burg, die zur Zeit des Berringer noch bewohnt waren. ---

Während die Bauern dieser Gegend damals Hanß, Henner, Cuntz, Fricz, Hinz usw.hießen, hatte unser Verting in Heidelberg den latinisierten Namen Berngerus, wie einer der Grafen von Adelsheim. Vielleicht war einer dieser Grafen der Taufpate und ließ den jungen Mann studieren, oder ob der Student den Taufnamen des Adligen übernahm und latinisierte, um gegenüber den meist adligen Kommilitonen zu imponieren, sei dahingestellt. ---

Welches Schicksal der Schulmeister später hatte, ob er verheiratet war und Kinder hatte, ist nicht bekannt. Weshalb er seinen Namen später Fertig schrieb, obwohl er bei einer Huldigung im Jahre 1407 als Zeuge noch unter dem Namen Verting aufgeführt wird, ist ungewiß. ---

Die Buchstaben V und F wurden oft ausgetauscht und die Endung -ing ging in die Endung -ig über. Das finden wir heute noch in der Mundart: Penning in Bensheim, Pennig im Odenwald (Münze) ebenso Menning "Mennig (rote Farbe), Familiennamen Breuning" Breunig, Liebing "Liebig, Kreiling" Greilch, u. a. ---

Weitere Nachforschungen in Amorbacher Urkunden führten zu einer überraschenden Entdeckung. In der in Amorbach in Kopie noch erhaltenen lateinischen Urkunde zur Stadterhebung (aus Dorf und Kloster) aus dem Jahre 1253 durch Konrad von Dürn findet man als Zeugen neben den Namen der Adligen, des Abtes, des Priors, des Kellers und anderen Bürgern die Namen der drei "villici" Vertings, Albertus und Ebero. Da war also schon 1253 ein Verting, ein villicus, eine Amtsperson (Verwalter?) des Klosters. Dieser Verting(us) könnte der Stammvater aller Fertig sein. ---

In den Totenlisten Fuldaer Klöster um 800 findet man unter den Namen dort verstorbener Mönche mehrmals die Namen fertinc, verting und vertie, u.a. einen Wolfger fertinc. Diese Namen sind sicher noch keine Familiennamen, sondern Unterschiedsbezeichnung gegenüber Mönchen mit dem gleichen Taufnamen. Ein verting, fertinc war ein Fahrender, also keiner, der sein Leben dauernd im Kloster mit Gebet und Kontemplation verbrachte, sondern vielleicht ein Missionar unter den noch heidnischen Germanen, oder auch einer, der auf einer Reise krank ins Kloster kam und dort starb. ---

Nach Meinung von Professor Finsterwalder in Innsbruck ist der Name Fertig aus dem Gattungsbegriff (Appellativ) verting = Fahrender entstanden. ---

Von den Familiennamen Fertig gibt es verschiedene Schreibweisen, die häufigste lautet Fertig. Im Odenwald findet man auch die Schreibweise Förtig. Der Stammvater der Bensheimer Fertigs unterschrieb noch 1772 eine Beschwerdeschrift Odenwälder Bauern an den Mainzer Landesherrn mit dem Namenszug Gabriel Förtig. In den Bensheimer Kirchenbüchern ist sein Name mit Gabriel Fertig geschrieben. ---

Im Leibesbeedverzeichnis der Herrschaft Breuberg von 1605 ist in Brunnthal ein Hieronimus Vertich und in Vielbrunn ein Wendel Vertich verzeichnet. Nach dem 30jährigen Krieg sind diese Namen dort nicht mehr zu finden. In Vielbrunn waren 1637 nur noch 3 von 50 Männern übriggeblieben; der Weiler Brunnthal war menschenleer. Im Dorf Steinmark im östlichen Spessart gab es 1595 einen Clas Vertig. 1764 ist ein Joseph Fertich "aus der Pfalz" nach Rußland ins Wolgagebiet ausgewandert. ---

Eine jüdische Sippe Fertig, die aus Galizien stammt, und von der einige Mitglieder in Berlin, andere in Israel wohnen, ist sicher nicht mit den Odenwäldern verwandt. Aus welchen Gründen die österreichischen Beamten zu Anfang des 19. Jahrhunderts bei der Registrierung der Juden diesen den Familiennamen Fertig gegeben haben, dürfte nicht mehr festzustellen sein. Als Ergebnis der Untersuchung ist festzuhalten: Der Familienname Fertig ist im Odenwald entstanden. Seine endgültige Schreibweise stammt von dem Schulmeister Verting am Kloster Amorbach und ist auf den Gattungsnamen verting - Fahrender zurückzuführen. War haben hier den einzigartigen Fall, daß wir fast auf den Tag genau sagen können, wann der Familienname Fertig entstanden ist.

Wie die Bensheimer Fertigs aus dem Odenwald an die Bergstraße kamen, soll einem späteren Aufsatz vorbehalten sein. Ich suche dazu noch einige Mitarbeiter, die mir die Bensheimer Zusammennhänge klären helfen.

 Überblick vom Stammbaum



  1. Die Online-Stammbäume entdecken

    Entdecken Sie die Online-Stammbäume und die organisation der Menüs, in einer kurzen Führung.

    Wenn Sie die Führung nicht sofort möchten können Sie es später, durch Klicken auf "Tour", am unteren Rand der Seite machen.

  2. Zugang zu Geneanet (1/7)

    Klicken Sie auf das Logo, um zur Startseite von Geneanet zurückzukehren.

  3. Profil, Nachrichten und E-Mail-Benachrichtigung (2/7)

    Sobald die Verbindung zu Geneaneterstellt wurd, können Sie Ihre persönlichen Daten überprüfen, Ihre E-Mails und genealogischen Benachrichtigungen verwalten.

    Im Menü "Mein Benutzerkonto" haben Sie nun die Möglichkeit sich abzumelden.

  4. Anmelden & Registrieren (2/7)

    Sie sind nicht bei Geneanet eingeloggt. Klicken Sie auf einen der Links, um sich zu verbinden oder ein Geneanet-Konto erstellen.

  5. Zugang zum Stammbaum (3/7)

    Wenn Sie hier klicken, werden Sie auf die Startseite von dem Baum, den Sie besuchen zurückzukehren.

  6. Forschungswerkzeuge (4/7)

    Die Suche nach einer Person des Stammbaums befindet sich hier mit einer alphabetischen Liste von Namen.

  7. Genealogisches Menü (5/7)

    Dieses Menü enthält alle Werkzeuge, die früher in der linken Menüleiste platziert waren.

    Wenn Sie mit Ihrem Stammbaum verbunden sind, bietet es einen schnellen Zugriff zum aktualisieren und zur paramétrage Ihres Baumes.

  8. Zugangsrechte (6/7)

    Abhängig von den Zugriffsrechten die Sie haben, können Sie Ihren Ansichtsmodus ändern:
    - Besucher: Sie können den Baum frei zu sehen, ausser die als Privat markierten Personen (zeitgenössische) und der Fotos
    - Gast: Sie können den Baum vollständig sehen, darunter auch zeitgenössische Personen und Fotos
    - Administrator: Sie können von dem Stammbaum alles anzeigen und auch bearbeiten.

  9. Kontrastmodus (7/7)

    Zum leichteren Lesen klicken Sie auf den Link, um den Kontrastmodus bei allen Online-Stammbäumen zu aktivieren.

  10. Es ist vorbei!

    Wenn Sie die Führung starten wollen, klicken Sie auf "Tour" am unteren Rand der Seite.