Family Book



 Chronik der Familie Ebenhög aus Oberfranken und Thüringen


(Autor: Heinz Ebenhög, Weinheim)

Die Vorfahren des Autors stammen aus Gunzelsdorf, einem Weiler in der Gemeinde Ursensollen bei Amberg in der Oberpfalz. Als Rentner hat er um das Jahr 1995 mit der Familienforschung begonnen. Durch seinen Briefwechsel mit Namensvettern im nord-östlichen Teil von Deutschland ist er auf das Kirchenbuch der Evangelisch Lutherischen Pfarrei in Königsee/Thüringen aufmerksam geworden. Dort wurde ein für den Familienforscher besonders wertvolles Familienbuch geführt. Schnell sind daraus verwandtschaftliche Verbindungen zu erkennen Der Weg nach Eisfeld an thüringisch/oberfränkischen Grenze bis nach Affalterthal bei Egloffstein war nicht mehr weit. Er hat auch noch diese beide Pfarreien besucht und deren Kirchenbücher bis etwa zum Ende des 30-jährigen Krieges ausgewertet. Alle älteren Bücher wurden in diesem fürchterlichen Krieg vernichtet. Am Ende seiner Recherchen hat er erkannt, dass er auf eine falsche Spur geraten war. Auf diesem Weg sind die Vorfahren der eigenen Familie nicht zu finden.

Ursprung der Familie

Der Name Ebenhöch und dessen Varianten Ebenhög, Ebenheg und Ebenhech(t) ist am Ende des Mittealters meist in der Oberpfalz zu finden. Von dort kommen auch die Vorfahren des Autors. Vermutlich ist die oberfränkische Familie Ebenhöch in der Zeit der Reformation, oder während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) aus religiösen Gründen in die Herrschaft der Herren von Egloffstein ausgewandert. Jedenfalls waren alle aus dieser Gegend stammenden Namensvettern evangelisch. Bis dahin waren es auch alle Oberpfälzer. Sie mussten allerdings nach dem Herrschaftsverlust von Friedrich V., König in Böhmen und Kurfürst zu Heidelberg, nach der ersten verlorenen Schlacht in diesem fürchterlichen Krieg wieder katholisch werden. Der bayerische Herzog Maximilian von Bayern hat seine Untertanen, noch bevor er endlich auch Kurfürst geworden ist, zu Beginn des dreißigjährigen Krieges dazu gezwungen. Der Beweis für diese Vermutung war nicht zu finden, aber ein wichtiges Indiz. Die oberpfälzischen Bauern konnten Hof und die Felder nicht in der alten Heimat zurücklassen. Sie mussten sich gegen ihre innere Überzeugung zwangsläufig katholisch taufen lassen. Die oberfränkischen Ebenhöch's waren Bäcker, Braumeister, Zimmerleute oder Schmiede. Sie konnten es sich leisten auszuwandern und blieben evangelisch.

Die ältesten Nachweise der Vorfahren stammen aus der Gegend um Egloffstein.

Mit dem Sterbe-Eintrag des Kilian Ebenhöch im Kirchenbuch von Egloffstein am 15.09.1618 kann der Urahn aller in diesem Aufsatz erwähnten Personen nachgewiesen werden. Er ist mit christlichen Gesängen und Cermonien zu Erde bestattet worden. Wahrscheinlich war er nicht arm. Für eine Beerdigung in dieser Form durfte der Pfarrer eine höhere Gebühr als üblich in Empfang nehmen. Es scheint, dass Kilian Ebenhöch relativ jung gestorben ist. Erst am 12.2.1617 wurde seine Tochter Anna getauft , für die der Pfarrer den Namen Ebenhög verwendet hat.

Wolfgang, einer von vier Söhnen dieses Kilian Ebenhöch, war Bäcker in dem benachbarten Dorf Thuisbrunn bei Gräfenberg. Er hat dort am 12. 04.1624 Anna, eine Tochter des Ulrich Presser geheiratet. Sein Bruder war Büttner. Er hat im gleichen Jahr Margarethe Veit, eine Schützen-Tochter von Mittelehrenbach geheiratet. Von dem 1638 in Thuisbrunn verstorbenen Stefan war nur der Sterbe-Eintrag zu finden.

In dem seinerzeit kleinteiligen Deutschland befand sich zwischen Egloffstein und Gräfenberg eine Landesgrenze. Thuisbrunn gehörte zum Fürstentum Bayreuth . Das Leben im Grenzbereich scheint nicht unkompliziert gewesen zu sein. Die Herrschaft Egloffstein hat 1663 mit ihren Nachbarn einen Vertrag abgeschlossen in dem Regelungen für Ehen zwischen den beiderseitigen Untertanen vereinbart worden sind. Sieben Jahre später berichtet das über den schlechten Zustand der Kirche besorgte Konsistorium Thuisbrunn an den Bayreuther Fürsten: "Die Kirche ist so baufällig, dass weder im Winter noch im Sommer die Zuhörer vor Regen und Schnee geschützt bleiben, oder der Pfarrer die Sakramente verwalten kann."

Der kinderlose Markgraf Carl Alexander hat im Januar 1791 sein Fürstentum gegen eine lebenslange Leibrente von 300.000 Gulden an den preußischen König Friedrich Wilhelm II. verkauft und ist mit Lady Carven, seiner Maitresse, nach London gezogen. Von da an waren die Thuisbrunner preußische Untertanen.

Kaum war die Eingliederung erfolgt, da hat der preußische Kanzleiinspektor aus Ansbach nach echter preußischer Gründlichkeit eine Bestandsaufnahme der neupreußischen Gebiete angefertigt. Er berichtet dass in Thuisbrunn außer einigem Gemäuer des längst zerstörten Schlosses mit dem dicken, zum Teil abgetragenen Turm, noch 44 Häuser vorhanden sind. Unter den Einwohnern befindet sich außer dem Pfarrer und dem Schulmeister noch 1 Bierbrauer, zugleich Wirt, 1 Hirt, 2 Leinenweber nebst Gesellen, 1 Maurer, 1 Müller, 1 Schmid, 2 Schneider, 3 Schuhmacher mit einem Gesellen, 3 Schlächter und 1 Zimmermann.

Nach der Beurteilung des Kanzleiinspektors würden die Einwohner gerne gute Kost genießen und ihr vortreffliches Bier trinken. Sie seien trotz harter Arbeit bei bester Gesundheit und besonders das weibliche Geschlecht sehr gut gebildet. Er schreibt: Hier genießt man die Kartoffel nicht, wie sonst im Oberland üblich, als eine alltägliche Speise, sondern sie bedienen sich solcher nur als Nachspeise und erst dann, wenn andere Lebensbedürfnisse im Winter und im Frühjahr ausgehen wollen. Ihre gewöhnliche Speise ist Milchbrei, Grießbrei, Gerste mit Petersilie, Klöße mit Petersilie und gedörrtem Rindfleisch, oder gedörrtem Obst, auch andere Gattungen von Gemüse. Sonntags haben sie üblicherweise Klöße mit gebratenem oder gedörrtem Fleisch, das einen handhohen Speck haben muss.

Das übliche Sonntagsgericht der Thuisbrunner und deren dunkles Bier locken heute noch viele Touristen in die wunderschöne Fränkische Schweiz. Das vortreffliche Bier könnte der um 1611 geborene Braumeister Georg Ebenhöch nach Thuisbrunn geliefert haben. Georg ist der vierte Sohn des Kilian Ebenhöch. Sein Sterbeeintrag war in der Pfarrei Affalterthal zu finden.

Hammerbühl im Trubachtal ist eine kleine Gemeinde zwischen Egloffstein und Gräfenberg, die um 1630 zur Pfarrei Affalterthal gehört hat. Ursprünglich standen hier nun die Hammerthoß-Mühle und zwei kleine dazu gehörige Häuser. Möglicherweise gehörte die Familie Ebenhöch zu den ersten Siedlern, die in der Hammerschmiede tätig waren

Das Ehepaar Georg und Margarethe Ebenhöch hatte sechs Kinder. Am 21. Februar 1645 haben sie ihren Sohn Georg zu Taufe nach Affalterthal gebracht. Er ist der Schneider und Gerichtsschöffe, von dem später Eisfeld noch mehr berichtet wird.

Im dem nicht öffentlich zugänglichen Privat-Archiv des Albrecht Graf von und zu Egloffstein, im nahe gelegenen Wasserschloss Kunreuth, hat sich u.a. ein Anlag Register aus dem Jahr 1696 erhalten, mit dem Nachweis der pünktlich und vollständigen Steuerzahlungen des Braumeisters Georg Ebenhöch.

Der Schneider Georg Ebenhög, ein Sohn des Braumeisters, könnte um 1670 in der Nähe von Hammerbühl geheiratet haben. In den Pfarreien Affalterthal, Egloffstein, Thuisbrunn, aber auch in Gräfenberg war dazu kein Kirchenbucheintrag zu finden. Allerdings hat er mit seiner Ehefrau Kunigunde in Affalterthal zwischen 1674-1695 acht Kinder taufen lassen.

Vier Kinder sind direkt oder kurz nach der Geburt verstorben. Konrad wurde 28 Jahre und Katharina 65 Jahre alt. Nach einem Heiratseintrag der Kunigunde wurde nicht gesucht. In erster Linie interessierte der am 1. März 1686 getaufte Johann Ebenhöch. Er hat sein Heimatdorf verlassen. 1725, im Alter von vierzig Jahren, taucht dieser Schuhmacher in Eisfeld/Thüringen auf. Er hat dort geheiratet.

Die Familie Ebenhög in Eisfeld/Thüringen

Die Schuhmacherfamilie Ebenheg hat über zwei Generationen in Eisfeld gelebt. Johann Ebenheg könnte ungefähr zwischen 1700 und 1725 nach Eisfeld gekommen sein. Die Geschäftsmöglichkeiten scheinen nicht schlecht gewesen zu sein.

Wie der Stadtsyndikus von Eisfeld dem Stadtrat berichtet hat wurden nach dem Dreißigjährigen Krieg "allein 38 Rot- und Weißgerber und 40 Schuhmacher gezählt. Damals wurden beinahe in allen benachbarten Städten, selbst in Coburg, keine Gerbereien gefunden. Eisfeld war der einzige Ledermarkt für die ganze Gegend. Ja selbst in Frankfurt wurde das Eisfelder Leder unter das Vorzüglichste gerechnet. Die Schuhmacher bezogen die Märkte von Hildburghausen, Coburg, Heldburg, Römhild, Themar, Suhl, Schleusingen, Schalkau, Kronach, Königshofen, Burgkunstadt u.a. mehr und setzten ihre Ware, da an diesen Orten Mangel an gleichen Handwerkern war, geschwind und vorteilhaft um."

Mit dem Hinweis auf den Schneider und Schöffen Ebenheg ist in diesem Ehe-Eintrag dessen Herkunft aus Hammerbühl bei Gräfenberg eindeutig belegt. Am 19. Sept. 1725 ist im Kirchenbuch von Eisfeld folgender Eintrag zu finden:

Meister Johann Ebenheg Bürger und Schuhmacher alhier junger Gesell, Meister Georg Ebenhegs Schneiders u. Gerichts Schöppens zu Hammerbiel bey Gräffenberg anderem Sohn mit Margaretha. Barbara Krappin, des Meisters Johann Wendel Kraps Bürgers u. Schuhmachers hier selbst ehelicheeinzigen Tochter erster Ehe ledigen Standes nach 3. maliger Proclamation öffentlich copuliret worden.

Am 7. Juli 1725 wurde ihm das Bürgerrecht der Stadt gewährt. Es hat ihn zehn Gulden gekostet und war Voraussetzung heiraten zu dürfen. Nach den Statuten der Stadt galt für die Einbürgerung folgende Vorschrift: "Es wird aber keiner zum Bürger angenommen, ohne zu seiner ehelichen Geburt, redlichen Herkommens und Wohlergehens halber eine gerichtlich glaubhafte und besiegelte Urkunde vorzulegen." Die Hochzeitsfeier hat in einem städtischen Gasthaus stattgefunden. Für die Benutzung des Tanzbodens waren 6 Groschen und 3 Pfennig an die Stadtkasse abzuführen.

Die Ehefrau war die einzige Tochter des Schuhmachers Johann Wendel Krapp aus Eisfeld. Diese Familie war schon lange in Eisfeld ansässig und begütert. Wahrscheinlich wird der Bräutigam im Haus des Meisters eine erste Beschäftigung und Unterkunft gefunden haben. Die Zunftrechte ließen einen neuen Betrieb nicht zu.

Zwei Jahre nach der Heirat kamen die Zwillingen Johann Andreas und Anna Ebenheg zur Welt. Sie wurden am 24. Oktober 1727 getauft. Es waren die Ältesten von fünf Kindern aus erster Ehe. Die Zwillinge waren gerade 12 Jahre alt, als ihre Mutter Margaretha Barbara im Mai 1738 gestorben ist. Anna ist 17 Jahre alt geworden.

Wer sollte die kleinen Kinder versorgen? Der Witwer hat noch vor Ablauf eines Jahres die ebenfalls verwitwete Anna Margaretha Fiedler geheiratet. Sie war die einzige Tochter des Kilian Pfrenger, Bürger und Weber in Eisfeld. Aus dieser Ehe stammen drei Kinder. Die 1740 geborenen Zwillinge Johann Georg und Johanna Ebenhecht. Der Sohn, auch ein Schuhmacher, ist nach Berlin gezogen. Er ist in einem Kolonisten-Verzeichnis erwähnt. Im Dezember 1743 kam noch Kaspar Johann zur Welt. Er ist nur 1/2 Jahre alt geworden.

Zu allem Unglück ist in diesem Jahr der Vater gestorben. Möglicherweise hat die erneut verwitwete Anna Margarethe, geborene Pfrenger zum Lebensunterhalt der beiden Zwillinge mit einem Gesellen die Werkstatt ihres verstorbenen Mannes weiter führen können. Der 16-jährige Johann Andreas könnte eine Lehre bei dem Schuhmacher Johann Georg Neiff gemacht und bei diesem auch noch als Geselle gearbeitet haben. Schließlich hat er am 15. Sonntag nach Trinitatis Elisabeth Margaretha, die älteste Tochter seines Meisters zur Frau genommen.

Aus dieser ersten Ehe wurden insgesamt sechs Kinder in Eisfeld getauft. Davon waren die 1759 geborenen Kinder wieder zweieiige Zwillinge. Sie haben nur wenige Tage gelebt. Der älteste im Mai 1752 geborene Sohn hieß Johann Georg Andreas.

Nach dem frühen Tod seiner ersten Ehefrau im Jahr 1773 hat Johann Georg Andreas Ebenheg schon kurz danach außerhalb von Eisfeld Anna Cordula Schneider geheiratet. Sie hatten zwei Söhne. In Eisfeld sind sie nicht länger geblieben. Nach etwa fünfzig Jahren war dort keine Familie Ebenheg mehr ansässig. Ihr ältester Sohn taucht in Königsee auf. Der zweite Sohn Johann Georg Martin Ebenhech als Rats-Türmer in Gera. Alle anderen Kinder aus der ersten Ehe waren vor 1764 gestorben.

In diese Zeit fiel der Siebenjährige Krieg (1756-1763). Die Habsburger Kaiserin Maria Theresia, die inzwischen anerkannte Herrscherin der österreichischen Erblande, konnte nicht verschmerzen, dass sie vor 16 Jahren nach einem überraschenden Überfall durch die von Friedrich dem Großen geführten preußischen Truppen Schlesien verloren hat. Sie fand mit Russland einen neuen Bündnispartner. Auch Sachsen beteiligte sich an der österreichisch-russisch-französischen Koalition gegen die mit England verbündeten Preußen. In den sieben Kriegsjahren gab es auf beiden Seiten große Erfolge und ebenso schwere Niederlagen. Die Fronten haben häufig gewechselt. Thüringen war von diesem Krieg oft und hart getroffen. Mit großer Wahrscheinlichkeit hatten unsere Vorfahren in dieser Zeit viel Leid zu ertragen.

Von 1725-1945 war die Familie in Königsee/Thüringen ansässig.

Dem Schuhmacher Johann Georg Andres Ebenhög wird sicherlich bekannt gewesen sein, dass er Königsee mindestens fünfzig Schuhmacher als Konkurrenten antreffen wird. Was könnte ihn bewegt haben Untertan des Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt zu werden? Was könnte in der Kleinstadt Königsee, mit damals etwa 1.400 Einwohnern, viel besser als in Eisfeld gewesen ist?

Auch dort haben die Schuhmacher nicht im Überfluss gelebt. Es wird berichtet, dass sich am 27. März 1755 der Schuster Trautmann in Rudolstadt aus Kummer und Verdruss auf dem Dachboden seines Hauses erhängt hat. "Sein Weib hatte ein Paar Schuhe um einen Groschen zu wohlfeil verkauft. Da er ein Jahr vorher schon einmal versucht hatte sich das Leben zu nehmen ist seine Frau besonders wachsam gewesen. Sie hat ihn gerade rechtzeitig wieder vom Strick abgeschnitten. Als Wieder-holungstäter bekam er 15 Stockhiebe und wurde in das Schwarzburger Zuchthaus eingeliefert."

Der 28-jährige Johann Georg Andreas hat im April 1780 in eine stadtbekannte Schuhmacherfamilie geheiratet. Seine Braut Emilia Dorothea war eine Tochter des Schuhmachermeisters Johann Simon König I. Das Paar hatte zwei Söhne und eine Tochter. Über die beiden Söhne wird im nächsten Kapitel ausführlicher berichtet.

Otto Max Ebenhög ist am 7. Oktober 1906 geboren. Er war in Königsee der Letzte mit diesem Namen. Nach mehr als 200 Jahren lebt niemand mehr mit diesem Familiennamen in Königsee. Einige noch in der näheren Umgebung. Andere in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und einer im niedersächsischen Vechta.

Der Autor hat Ursula Hornschuh, eine Tochter von Otto Max Ebenhög persönlich kennen gelernt. Mit ihren Verwandten, alles Nachfahren des Johann Georg Andres Ebenhög hat er 1997 korrespondiert. Bei drei Briefpartnern hatte er den Eindruck gewonnen, dass sie sein Interesse an der Familiengeschichte teilen. Sie sind der Bitte nachgekommen ihre persönlichen Erinnerungen an Großeltern oder gar Urgroßeltern aufzuschreiben.

So schreibt Karl Oskar Ebenhög aus Eckernförde (1923-2006)

Die kleine thüringische Stadt Königsee ist sozusagen der Stammsitz unserer Familie. Erst heute weiß ich, dass wir nur eine Linie von mehreren aus der gleichen Stammfolge sind, die in der Fränkischen Schweiz ihren Ursprung haben.

Meine persönliche Erinnerung beginnt mit dem Großvater, Friedrich Heinrich Oscar (1860-1932) und ist noch einigermaßen lebendig, während ich meine Großmutter Marie Dorothee - sie starb 1919 - leider nicht mehr erlebt habe.

Großvater Ebenhög wurde 1860 in Königsee geboren, wo die Familie seit ungefähr hundert Jahren ansässig war. Alle Erstgeborenen übten den Beruf des Schuhmachers aus. Mein Großvater brach mit dieser Tradition, die dann sein jüngerer Bruder Karl fortsetzte.

Ich hätte mir meinen Großvater in diesem Beruf auch nicht vorstellen können. Er war ein reger, um nicht zu sagen "unruhiger" Geist, der damaligen "Moderne" gegenüber aufgeschlossen. Dies war wohl ein Erbteil seiner Mutter, also meiner Urgroßmutter Dorothee Ebenhög, geb. Jahn, die erst im hohen Alter von fast 90 Jahren 1931 in Königsee gestorben ist. Sie war innerhalb der Familie noch bis zu meiner Kindheit liebevoll nur die Rappeljahn'sche genannt.

Sie scheint der Mittelpunkt der Familie gewesen zu sein und mein Großvater scheint zu dieser mütterlichen Familie eine enge Beziehung gehabt zu haben, denn er hat in einem hinterlassenen "Familien-Stammbuch" auch über seine Großmutter mütterlicherseits Auguste Juliane Jahn geb. Petersund und deren jüngstem Sohn - also seinen Onkel - ehrende Worte des Andenkens geschrieben.

Friedrich August Ebenhög und seine Ehefrau Dorethee wohnten mit ihrem Sohn Bernhard in der alten Kirchgasse 321. Ein weiterer Sohn Karl Max August wohnte in der alten Kirchgasse 325

Meine Urgroßmutter war es wohl auch, die ihren geistig regen Sohn als den Älteren zu einem anderen Beruf als den des Vaters gedrängt hat. Er wurde Lehrer und ist spätestens mit zwanzig Jahren aus dem Haus in Königsee fortgegangen. Warum er seine erste und wohl auch einzige Lehrerstelle gerade in der Altmark in dem kleinen Dorf Gohre fand, ist nicht mehr festzustellen. Er war zwar als Lehrer eine geachtete Respektsperson, hatte aber mit den Schülern dieser Dorfschule einige Schwierigkeiten, weil er deren Sprache das "Altmärker Platt" nur schwer verstand. Einen Ausgleich allerdings fand er - musikalisch wie er war - im sonntäglichen Orgelspiel und in der Gründung eines Gesangvereines im Jahr 1881. Da er sich mit einer Bauerntochter eingelassen hatte, die von ihm ein Kind erwartete, musste er schon 1882 das Dorf wieder verlassen, obwohl er kurz vor der Geburt seiner Tochter Clara deren Mutter geheiratet hatte, die somit meine Großmutter wurde.

An dieser Stelle hat der Autor den ursprünglichen Text ergänzt. Er hat nämlich im Thüringischen Staatsarchiv Rudolstadt in der Abteilung Kirchen- und Schulsachen die Personalakte des Friedrich Heinrich Oskar Ebenhög

Die Personalakte beginnt am 23.2.1877 mit dem Antrag des Oskar Ebenhög zur Aufnahmeprüfung im Fürstlichen Schulseminar und endet mit einem Brief vom 9.6.1881 an die Königlich Preußische Regierung in Magdeburg. Am 13.9.1880 berichtet der Pfarrer von Leibis dem Ministerium, dass der Lehrer Oskar Ebenhög angeblich der Tochter des Glaskünstlers Müller nachgestellt hätte. Die bestrittene Liebesaffäre hat zu einer Verhandlung vor dem Schöffengericht in Oberweißbach geführt, bei der Oskar Ebenhög wegen Hausfriedensbruch zu einer Strafe von sechs Mark und zwei Tagen Gefängnis verurteilt wurde. Das Ministerium musste Herrn Ebenhög aus dem Schuldienst entlassen. Er fand danach eine befristete Anstellung als Lehrer im Bezirk der königlich preußischen Regierung zu Magdeburg.

Karl Oskar Ebenhög setzt nun seinen Bericht fort: Großvater ging im selben Jahr nach Magdeburg, der Hauptstadt der preußischen Provinz Sachsen, damals eine aufblühende Industriestadt insbesondere des Schwermaschinenbaues. Die Stadt bot meinem Großvater andere berufliche Möglichkeiten, die er bei der preußischen Post als neuen und dauerhaften Arbeitsplatz fand.

1887 holte er Frau und Tochter ebenfalls nach Magdeburg. Hier wurde dann im gleichen Jahr der Sohn Walter und im Jahr 1890 der Sohn Erich geboren. Eine 1899 noch geborene Tochter verstarb leider kurz nach der Geburt.

Da Großvater - wie gesagt- von seiner Mutter-Seite her ein geistig äußerst reger, von Vater-Seite her aber auch ein sparsamer Mann war, schaffte er es, mit dem Erbteil seiner Frau, die nicht Hoferbin werden konnte, sondern ausgezahlt wurde, nun der Familie Besitz und Vermögen in Magdeburg zu erwerben.

Es waren ja die sogenannten "Gründerjahre" und Großvater wusste die Gunst der Stunde zu nutzen. Jedem seiner Kinder erwarb er ein Haus, jedem Enkel ein Grundstück. Nach dem Tod der Großmutter 1919 heiratete er noch einmal, was ihm seine längst erwachsenen Kinder aber nie ganz verziehen. So habe ich selbst zu dieser zweiten Frau meines Großvaters nie einen persönlichen Kontakt gehabt, obwohl sie erst 1942 verstarb. Großvater war 1932 im 72. Lebensjahr verstorben. Wenn von der Ebenhög'schen Linie in Magdeburg gesprochen wird, so war er es, der sie begründete und dort zur geachteten Familie machte. Ihm sei Dank.

Die Tochter Clara als älteste der drei Geschwister wurde Lehrerin in Burg bei Magdeburg. Sie heirate Anfang der zwanziger Jahre den Kaufmann Gottfried Kerkau und wohnte in Berlin-Tempelhof, später dann im eigenen Haus in Magdeburg. Die Ehe blieb kinderlos. Mein Onkel verstarb 1947, meine Tante 1966. Ihr Haus wurde im Krieg leider durch Bomben zerstört.

Der Sohn Walter wurde Postbeamter. Er heirate 1921 die Landwirtstochter Hedwig Lohse aus Windberge Kreis Stendal. 1925 wurde ihre Tochter Ursula in Magdeburg geboren. Dort lebte die Familie im eigenen Haus. Am 16. April 1945 fand mein Onkel beim letzten Bombenangriff auf Magdeburg den Tod. Nur einen Tag später, am 17. April rückten dort die Amerikaner ein. Das Haus blieb verschont und Mutter und Tochter wohnten darin bis zu ihrem Weggang in den Westen. Auch die ausgebombte Tante Clara fand mit ihrem Mann in diesem Hause ein Unterkommen, wie später auch meine Mutter und ich selbst 1946.

Der Sohn Erich, mein Vater, wurde Telegrafenbeamter in Magdeburg. Er und sein Bruder Walter hatten schon den ersten Weltkrieg als Soldaten mitgemacht und nach dessen Ende wieder in Magdeburg in ihrem Beruf gearbeitet. Mein Vater war vorübergehend nach Berlin abgeordnet und lernte dort die Haustochter Frida Krüger kennen. Sie heirateten 1920 in Berlin-Spandau und lebten danach in Magdeburg. Dort wurde 1921 meine Schwester Rosemarie und 1923 ich selbst geboren.

1930 wurde mein Vater nach Stendal versetzt, wo er als Telegrapheninspektor einem größeren Baubezirk vorstand. Die Familie zog im gleichen Jahr ebenfalls dorthin. Für uns beiden Kinder wurde es eine unbeschwerte Kinder, Jugend- und Schulzeit.

Stendal, einst Hansestadt, auch "Hauptstadt der Altmark" genannt, ergab für uns, die Familie meines Vaters, durch die Nähe der großmütterlichen Verwandtschaft zu dieser eine engere Beziehung als wir sie je nach Thüringen hatten. Die verkehrstechnischen Verhältnisse der dreißiger Jahre trugen wohl ihren Teil dazu bei. Ich selbst bin als Junge nur ein einziges Mal mit meinem Vater in Königsee gewesen.

Mit Ausbruch des Krieges 1939 endete für uns die Stendaler Zeit. Schon im Oktober 1939 wurde mein Vater nach Posen/Westpreußen versetzt. Meine Mutter folgte ihm 1942 zusammen mit meinem anderen Großvater, der seit 1934 bei uns lebte. Auch meine Schwester wechselte von der Uni Jena nach Posen, so dass die Familie vorübergehend wieder zusammen war.

Meine Schwester konnte in den Wirren des Krieges das Studium der Philologie auch in Posen nicht abschließen. Sie hat sich mit dem Schriftsteller Erhard Wittek vermählt und musste 1945 aus Eichenbrück, einem Ort in der Nähe von Posen flüchten. Im Februar 1945 kam im mecklenburgischen Ludwigslust ihre erste Tochter Anne-Dürten zur Welt. Nach einigen Zwischenstationen fand die Familie mit den inzwischen vier Kindern den Weg nach Pinneberg. Meine Schwester, die noch lange Jahre als Lehrerin tätig war, lebt heute noch dort.

Ich war seit 1941 Soldat und kam nur während kurzer Urlaubstage nach Posen. Beim Näher rücken der russischen Front verließen 1945 Mutter und Großvater die Stadt und fanden Zuflucht bei der Nichte meiner Mutter in Ludwigslust in Mecklenburg. Dort ist mein Großvater 1946 verstorben. Mein Vater aber musste in Posen verbleiben und ist dort seit Februar 1945 vermisst. Er wurde nur 55 Jahre alt und 1948 amtlich für tot erklärt.

So war ich am Ende des Krieges der einzige männliche Nachkomme dieser Magdeburger Linie der Ebenhög's. Zwar wurde ich schon im August 1945 als Soldat entlassen, aber dann von den Engländern für den Bergbau zwangsverpflichtet. Magdeburg und auch Mecklenburg war inzwischen von den Sowjets besetzt. Meine Mutter ging wieder zurück nach Magdeburg. Sie konnte dort mit der Miete und Pacht aus dem Besitz meines Vaters über die Runden kommen. Eine Rente bekam sie erst ab 1948.

Da ich im Bergbau in Dortmund arbeitete, gelang es mir schwarz über die grüne Grenze nach Magdeburg zu kommen. Ein Unterkommen fand ich, wie schon erwähnt, bei meiner Tante. Diese Zeit stellte für mein Leben eine einschneidende Zäsur dar. Zum einen war ich mit meiner Mutter ohne eigenes Zuhause, zum anderen hatte ich keinen Beruf erlernt. Auch ein Studium war mir als ehemaligem aktiven Soldaten nicht möglich und ein sogenanntes "Arbeiter- und Bauernkind", - Voraussetzung zum Studium - war ich auch nicht. Also begann ich erst einmal als Hilfsarbeiter in einem damals noch privaten Heizungs- und Sanitärbetrieb. (Stundenlohn Reichsmark 0,71 !) Die Firma wurde bald mit anderen zu einen Volkseigenen Betrieb VEB zusammengeschlossen. Ich konnte mich schnell als Monteur qualifizieren, später auch zum Techn. Zeichner. Da es noch keine entsprechenden Fachschulen gab, habe ich mir dann autodidaktisch das Wissen angeeignet, um als Techniker in dieser Branche arbeiten zu können.

1948 heiratete ich meine Jugendfreundin Hannelore Posorski aus Stendal, die nach ihrer Ausbildung in Magdeburg nun als Krankenschwester in Stendal ihren Beruf ausübte. Nach einigen Schwierigkeiten gelang es uns in eine frei werdende Wohnung im eigenen Haus zu kommen, wo wir dann mit meiner Mutter zusammen wohnten. Wir hatten wieder ein Zuhause. Hier wurde 1951 dann unser Sohn Thomas geboren.

1952 erfolgte die Enteignung unseres Hauses in Form einer Übernahme durch die Kommunale Wohnungswirtschaft KWW. Andere systemimmanente Eingriffe in unser privates und berufliches Leben machten unseren Alltag immer schwieriger, da ich nicht bereit war, um des persönlichen Wohlergehens willen in die SED einzutreten. So fassten wir 1953 den uns nicht leicht werdenden Entschluss in den Westen zu flüchten. Am 20. Februar 1953, einen Tag nach dem 2. Geburtstag unseres Sohnes verließen wir auf getrennten Wegen Magdeburg und trafen uns am gleichen Tag in Westberlin wieder.

Nach ca. vier Wochen Aufenthalt dort wurden wir nach Hamburg ausgeflogen und fanden in einem Dorf in Schleswig-Holstein bei meiner Schwester und ihrer Familie ein erstes Unterkommen. Nach einem Zwischen-Aufenthalt in Trittau, einem Landstädtchen in der Nähe, fanden wir dann in Hamburg eine kleine Wohnung für uns. Die Zeit bis dahin war ich selbst ohne Arbeit geblieben, jetzt in Hamburg fand ich wieder einen Job in meinem inzwischen ausgeübten Beruf und konnte wieder einer geregelten Arbeit nachgehen.

1956 bot sich mir die Chance zum Eintritt in die Bundeswehr. Im September dieses Jahres wurde ich als Offizier in die Marine übernommen. 1957 war unser Sohn in Hamburg eingeschult worden, wechselte aber noch im gleichen Jahr nach Kiel, nachdem wir dorthin umgezogen waren. Da ich bei allen wechselnden Aufgaben in meinem Beruf an Land und an Bord immer Kiel als Standort hatte, konnte unser Sohn seine gesamte Schul- und Universitätszeit in Kiel absolvieren. Nach Abschluss seines Studiums 1976 zog er nach Bremen, wo er noch heute als Psychologe arbeitet und wohnt.

Wir selbst waren 1971 nach Eckernförde gezogen, wechselten 1975 noch mal nach Plön, bis wir uns 1980 in Eckernförde ein eigenes Haus bauten, in dem wir heute noch wohnen, nachdem ich 1981 pensioniert worden bin. Da unser Sohn nicht verheiratet ist und keine Kinder hat, wird mit ihm einmal die Magdeburger Linie der Ebenhög's erlöschen.

Ist es nun vorstellbar, dass sich ein Teil der Eigenschaften und Eigenheiten unserer Urahnen bis zur heutigen Generation erhalten hat? Sicherlich haben unterschiedliche Temperamente einer Vielzahl von Ureltern unsere persönliche Charakteristik beeinflusst. Was hat es auf sich, wenn wir heute sagen Typisch Ebenhög.

Nun, unsere Familie fühlt sich der typischen Landsmannschaft der Preußen zugehörig. Die fränkischen Urahnen waren ja keine Bayern. Der Ort Hammerbühl ist erst 1806 durch den Einfluss von Napoleon dem Land der Bayern zugeordnet worden. Mit dem Bekenntnis zur evangelisch lutherischen Religion haben sich die fränkischen Ebenhög's schon immer von den meist katholischen Bayern unterschieden.

Über die Religion bestand auch schon von Anfang an die Gemeinsamkeit mit den evangelischen Ernestinern im heutigen Thüringen. Durch den Großvater wurde meine Familie 1880 endgültig im seit 1648 preußischen Magdeburg und durch meine Großmutter aus der preußischen Altmark zu preußischen Bürgern. Für mich selbst erweiterte sich dieses Preußentum noch durch meine Vorfahren mütterlicherseits.

Der Vater meiner Mutter wurde 1860 in Berlin geboren, seine Frau - also meine Großmutter - stammt aus Treptow a.d. Rega in Pommern, beides - Berlin und Pommern - preußisches Stammland. Auch für unseren Sohn ergibt sich preußische Herkunft, da die Vorfahren meiner Frau väterlicherseits aus Westpreußen und mütterlicherseits aus der preußischen Altmark kommen.

Zwar gibt es Preußen als eigenständiges Land nicht mehr, aber unsere Herkunft lässt sich nicht verleugnen, und so wurde meine Familie zu Preußen mit vom Namen her fränkisch-thüringischen Wurzeln.

Übrigens gilt auch die Reiselust als typisch Ebenhög. Fremde Länder und Menschen zu sehen und zu erleben war schon ein Wunsch meines Großvaters und er konnte sich ihn einmal mit einer Reise nach Ägypten erfüllen. Auch seine Söhne - also mein Vater und mein Onkel - träumten nicht nur davon, sondern erfüllten sich, wenn auch den gegebenen Verhältnissen der damaligen Zeit entsprechend, diesen Wunsch in eingeschränkter Weise.

Ich selbst ging zur Marine - eine Obsession meiner Kindheit - und habe dadurch relativ viel von der Welt gesehen, auch wenn es immer nur Momentaufnahmen waren. Aber ich bin dankbar dafür. Und auch unser Sohn hat schon viele fremde Länder und Menschen gesehen und ebenso auch meine Cousine Ursel, die es studienhalber immer wieder in die Ferne zieht. Alles in allem also: ein typisch Ebenhög´sches Erbe?

PS: Karlos Ebenhög hat auch ein kleines Buch herausgebracht mit dem Namen Solveigs Lieder geschrieben.

Frau Ruth Besecke aus Königsee (*1920) ist eine Enkelin des Bernhard Gottlob Wilhelm Carl Ebenhög. Sie hat ihre Familiengeschichte mit diesen Worten ergänzt:

Meine Mutter ist Else Rosa Anna Schöps, geborene Ebenhög. Im allgemeinen wurde in unserem Städtchen dieser Name wie Ebenhöch ausgesprochen. Im ausgeprägten Königseer Dialekt hat man auch Ebenhecht gesagt. Wenn ich als Kind den Namen meiner Eltern nach der Schrift aussprach, kam es mir immer recht geziert vor. Die in früherer Zeit häufig wechselnde Schreibweise des Familiennamens kann ich deshalb sehr gut verstehen.

Die Brüder meines Großvaters und die Urgroßmutter Dorothee, geb. Jahn habe ich noch kennen gelernt. Der Urgroßvater und dessen Söhne waren recht musikalisch. Mein Großvater spielte Klavier und Zither, seine Söhne Arno und Kurt Geige. Überhaupt wurde in den alten Familien Hausmusik noch gepflegt.

Wir waren fünf Geschwister. Arno ist schon im ersten Weltkrieg gefallen. Kurt wird seit 1914 vermisst. Auch mein jüngster Bruder Fritz ist aus dem zweiten Weltkrieg nicht zurückgekehrt. Fritz war schon verheiratet und hatte eine Tochter Renate, die heute in Meißen lebt. Die beiden Weltkriege haben unsere Familie besonders hart getroffen. Meine drei Brüder wurden ein Opfer beider Kriege und nur die beiden Mädchen haben überlebt. Meine im Jahr 1900 geborene Schwester Herta ist mit 69 Jahren in Delitzsch verstorben. So konnte auch unsere Familie den Namen Ebenhög in Königsee nicht erhalten.

Von Königsee und den Königseern zu meiner Zeit kann ich nicht viel berichten, da ich bereits nach der Konfirmation die Stadt verließ und in Erfurt die Handelsschule besuchte. Ein Jahr vor meiner Eheschließung zog ich nach Dresden zur Pflege meiner an Krebs erkrankten Schwiegermutter. Mein Verlobter war an der Front. Am 30.10.1943 haben wir geheiratet und am 4.8.1944 wurde unsere Tochter geboren.

In der Nacht zwischen dem 13. und 14. Februar 1945 sind alle nahen Angehörigen meines Mannes durch einen fürchterlichen Luftangriff auf Dresden ums Leben gekommen. Ich habe mein Zuhause verloren. Für mich und meine nur halbjährige Tochter begann eine unvergessliche Odyssee vor und zwischen den Fronten.

Doch irgendwo hat alles Bittere auch einen Lichtschein. Als wir in einer Gruppe Kriegsversehrter, Frauen und Kinder an der Grenze zu Niedersachsen von russischen Soldaten gefangen genommen und nach dem ehemaligen KZ Dora gebracht werden sollten, hat uns der Alkohol gerettet. Die Soldaten, die uns mit Gewehrstößen nach Nordhausen getrieben hatten, um dort die Einweisungspapiere zu holen, kamen aus ihrer Kommandantur nicht wieder zurück. Der gute Nordhäuser Korn hat sie vergessen gemacht. So schlichen wir einer nach dem andern davon und rannten zum Bahnhof. Die Züge brachten uns wieder landeinwärts.

Mein Mann war Filialleiter einer Schweizer Firma in Thüringen. Diese wollte nach dem Krieg nicht wieder in Deutschland investieren. So machte er sich 1950 als Ingenieur mit einem Betrieb für Bautenschutz selbständig. Wir haben bis 1974 in Erfurt gearbeitet und sind danach in mein Elternhaus nach Königsee zurück gekehrt. Das Haus hatten wir schon 1959 auf Rentenbasis gekauft, weil meine Mutter keinerlei Einkommen hatte.

Ich habe mich mit 72 Jahren aus dem Geschäft zurück gezogen. Trotz meiner Behinderung durch eine lästige Coxarthrose reise ich noch oft und gerne, zumal mich Architektur, Geschichte und Völkerkunde sehr interessieren.“

Ursula Hornschuh, geb. Ebenhög (*1947) setzt diese Familiengeschichte fort:

Carl Rudolph Adolf (1864-1952) ist mein Großvater. Ich muss vorausschicken, dass bei uns zu Hause wenig über die Verwandtschaft gesprochen wurde und demzufolge auch keine besonderen Verbindungen bestanden. Unser Vater ließ meine Schwester und mich in dem Glauben, dass unser Familienname in der näheren und weiteren Umgebung nicht noch mal vorkommt und aussterben wird. Lediglich die Pößnecker Verwandtschaft war bekannt. Was er damit bezweckt hat? Wir können ihn nicht mehr fragen!

So haben wir erst nach dem Tod beider Elternteile im Nachlas die Abschrift eines Testamentes von Meta Peikert, einer Tante meines Vaters gefunden mit dem sie ihren Brüdern Karl, Bernhard und Max sowie den Neffen Otto (unser Vater), Fritz und Walter je einen Acker in Königsee bzw. Pößneck vererbt hat. In diesem Testament wird ausdrücklich bestimmt, dass die drei Kinder meines verstorbenen Bruders Oskar Ebenhög in Magdeburg, die bereits mit Glücksgütern gesegnet sind, keinerlei Anspruch auf meine Hinterlassenschaft haben sollen. Diese Formulierung hat uns sehr amüsiert.

An den Großvater Carl kann ich mich nur dunkel erinnern. Als er starb, war ich fünf Jahre alt. An die Großmutter habe ich keine Erinnerungen mehr. Ich bin allerdings sehr oft mit meinem Vater am Grab seiner Eltern auf dem Friedhof in Königsee gewesen. Meine sechs Jahre ältere Schwester Karin war noch öfter bei den Großeltern.

Mein Vater lernte in Königsee den Beruf des Kaufmanns. Er war dann beruflich und privat viel unterwegs. Davon zeugen viele Fotos. Diese Reisefreudigkeit könnten wir von unserem Vater geerbt haben.

Meine Eltern haben im Mai 1939 geheiratet und wohnten von da an im Haus der Eltern meiner Mutter in Bad Blankenburg. Das liegt zwar nur 15 km entfernt, aber Besuche bei den Großeltern väterlicherseits waren selten.

Mit Beginn des 2. Weltkrieges wurde der Vater Soldat. Er ist mit dem Krieg durch ganz Europa gekommen und Gott sei Dank auch heil nach Hause. Er hat an langen Abenden, als wir noch keinen Fernsehapparat hatten, oft davon erzählt. Bloß haben wir uns als Kinder wenig dafür interessiert. Jetzt sehe ich das anders.

Nach dem Krieg arbeitete der Vater wieder in seinem Beruf als Kaufmann in Königsee bei verschiedenen Firmen. Die guten Beziehungen zu Bauern in Dörnfeld waren für die Familie recht vorteilhaft. Die Ernährung zu sichern war doch öfters ein Problem. Ich war damals noch zu klein und kenne es nur aus Erzählungen.

In den fünfziger Jahren arbeitete mein Vater dann in Rudolstadt, Saalfeld und später in Bad Blankenburg. Trotzdem waren Besuche in Königsee selten. An die Schwester meines Vaters, Tante Clara, kann ich mich auch kaum erinnern. Sie starb bereits 1956. Ihr Mann heirate noch einmal, aber die Verbindung zu uns war mehr als lose.

Unsere Mutter war Hausfrau. Sie versorgte uns Kinder, den Mann, Haus und Hof. Kurzzeitig ging sie halbtags arbeiten, aber dann hatten doch die häuslichen Pflichten Vorrang. Heute wird mir klar, dass sie vor ihrer Hochzeit wohl doch nicht so ein Heimchen gewesen ist; war sie doch bereits im Jahr 1933 im Besitz eines Pkw-Führerscheines und kutschierte Leute durch die Gegend. Diese Liebe zum Autofahren hat wohl auf mich abgefärbt.

Meine Schwester Karin und ich konnten verständlicherweise zum Erhalt des Familiennamens keinen Beitrag leisten. Unsere Kinder tragen jetzt den Namen Staszat und Hornschuh.

Frau Louie Falotico (* 1930) hat dem Autor ihre Erinnerung an ein langes Leben im persönlichen Gespräch erzählt. Sie wohnt nun in Kappelrodeck, einem reizenden Weinort im nördlichen Schwarzwald.

Meinen Großvater Berthold Richard Wilhelm (1867-1901) habe ich nicht mehr kennen gelernt. Ich bin erst ca. 30 Jahre nach seinem Tod geboren. Der Großvater war mit 34 Jahren schon früh verstorben. In seiner Heiratsurkunde ist als Beruf Schuhmacher angegeben. In diesem Beruf scheint er aber nicht lange gearbeitet zu haben. Er hat mit seiner Frau die Poststelle in Garsitz betrieben. Im Gegensatz zu heute hat die Post in dieser Zeit noch Arbeitsplätze aufgebaut.

Die Großeltern hatten nur zwei Kinder. Die Schwester meines Vaters, Frieda Klara Helene, wurde im Februar 1900 geboren. Ihr Bruder Hugo Otto Arno war 5 Jahre älter. Mein Vater hat in Ilmenau eine Lehre als Hufschmied absolviert. Er hat noch als Junggeselle bei einem Schmied in Gumperda gearbeitet. Sein Gesellenstück, ein Hufeisen und die dazu handgefertigten Nägel, hingen noch lange an einer Wand im Haus meiner ältesten Schwester.

Im Januar 1920 hat mein Vater die einzige Tochter des Landwirtes Oskar Göpfahrt und dessen Frau Meta, geb. Reinhardt im Gumperda geheiratet. Das war keine schlechte Partie. Ob seine Schwiegereltern der Heirat auch zugestimmt hätten, wenn nicht schon mein ältester Bruder Herbert Heinz unterwegs gewesen wäre, vermag ich nicht zu beurteilen. Um den weiteren Betrieb der Landwirtschaft haben sich in erster Linie die Ehefrau und deren Eltern gekümmert. Mein Vater hat die Schmiede geführt.

Ich erinnere mich noch gut an das dunkle Ernte-Bier. Davon durfte ich zwar selbst nichts trinken. Die Art und Weise der jährlich zur Erntezeit durchgeführten Brauweise habe ich dennoch nicht vergessen. Anstelle von Malz wurde Kathreiner Kaffee verwendet. Hopfen gab es aus eigener Ernte. Die Bierhefe wurde in der örtlichen Brauerei gekauft. Die jeweils gebraute Menge hat ausgereicht sämtliche Erntehelfer zu versorgen. Wer bei der Feldarbeit nicht so viel trinken wollte, konnte Bier-Merde genießen, ein mit Bier getränktes, von meiner Großmutter Meta gebackenes Brot. Für ein zünftiges Erntefest blieb immer noch genug übrig. Die Thüringer Bratwürste wurden bei meiner Tante beschafft, deren Ehemann in Gumperda eine Metzgerei hatte. Im Winter hat Großvater Tragekörbe geflochten. Heute weiß ich zu beurteilen, dass es Körbe dieser Qualität nicht mehr gibt.

Unsere Familie hatte sieben Kinder. Davon waren vier Mädchen und drei Jungs. Dennoch hat sich unser Familienname nur einmal erhalten. Mein ältester Bruder Herbert Heinz hat sich mit 19 Jahren freiwillig zur Armee gemeldet. Er war einer der jungen Männer, die sich vom Führer beeindrucken ließen.

Auch mein Vater war schon im ersten Weltkrieg freiwillig Soldat. Er hat es nicht geschafft, den Entschluss meines Bruders zu verhindern. So waren beide schon 1939 an der Front. Der Vater kam wegen seines Alters bald wieder zurück. Er wurde im eigenen Landwirtschaftsbetrieb dringend benötigt.

Mein Bruder war bis zum bitteren Ende Soldat. Er kam im April 1945 verwundet aus Rumänien zurück. Aus Gumperda musste er noch in amerikanische, später in französische Gefangenschaft. Erst kurz vor der Währungsreform kam er wieder nach Hause. Er hat am 13. Dezember 1954 seine Frau Christa Reitzenstein geheiratet.

Vater und Sohn haben anfänglich noch gemeinsam den Bauernhof bewirtschaftet, bevor der Betrieb in der LPG aufging. Herbert Heinz war durch seine Verwundung gesundheitlich nicht mehr auf dem Damm. Dennoch war er wie mein Vater ein passionierter Jäger. In unserem Familienalbum befinden sich Bilder von einem ausgegrabenen Dachs und einem mächtigen, von meinem Vater erlegten Keiler.

Der einzige Sohn Roland meines Bruders ist bei einem Motorrad-Unfall am Pfingst-Sonntag 1978 tödlich verunglückt.

Mein zweiter Bruder Heinrich Theo Ebenhög kam in französische Gefangenschaft. Er war Kraftfahrzeug-Mechaniker und hatte brauchbare Kenntnisse der französischen Sprache. Mit diesen Fähigkeiten ist es ihm gelungen in französischer Gefangenschaft Fahrer eines Offiziers zu werden. Diesen Job in Obersasbach, in unmittelbarer Nähe meiner jetzigen Heimat, hat er noch freiwillig bis zum Jahr 1954 ausgeübt. Später hat er in einem Autohaus in Achern die Tankstelle geführt.

Theo hatte in Thüringen eine Verlobte. Deshalb hat er gelegentlich, unkontrolliert seine alte Heimat besucht. Die Braut war recht ortsgebunden. Sie wollte nicht in den Westen. So ging mein Bruder nach Großkochberg zurück und hat dort geheiratet. Diese Ehe, in der sein Sohn Gunter geboren wurde, war nicht von Dauer. Theo hat in zweiter Ehe seine Frau Irmgard geheiratet. Seine erste Frau lebt heute in Wittgendorf, nahe Saalfeld, bei ihrem Sohn Gunter. Aus der Ehe von Gunter und Kathrin ist der 1981 geborene Christoph Ebenhög hervorgegangen, dem einzig verbliebenen Namensträger der Stammlinie Gumperda.

Der dritte Sohn meiner Eltern, mein Bruder Hubert war Sattler und Polsterer. Er hatte aber auch eine Elektriker Ausbildung und war als Werks-Elektriker im Porzellan-Werk Kahla tätig. Er wohnt noch heute im Geburtshaus meiner Mutter in Gumperda. Die älteste Tochter Silvia ist in Possendorf bei Dresden verheiratet. Die jüngere, noch ledige Tochter Iris lebt in Jena.

Die Ehe meiner Schwester Elfriede Magdalene blieb kinderlos. Meine jüngste Schwester Hiltrud ist mit 17 Jahren in der Kurklinik Bad Berka an Lungentuberkulose gestorben.

In unserem Elternhaus wohnt heute eine Enkelin meiner Schwester Hella Johanna. Die landwirtschaftlichen Grundstücke sind an den Nachfolger der LPG verpachtet.Kein Kind oder Enkel unserer Familie war an der Fortführung des elterlichen Landwirtschaft-Betriebes interessiert.

Ich selbst bin auf Empfehlung meines Bruders mit 18 Jahren in den Schwarzwald gekommen. Hier habe ich den Steinmetz Paolo Falotico aus Minervino-Murge, im italienischen Apulien kennen gelernt und geheiratet.

Aus unserer Ehe sind vier gesunde und erfolgreiche Kinder hervorgegangen, von denen nur noch eines in Kappelrodeck wohnt. Leider lebe ich inzwischen ganz allein im Haus. Ich freue mich deshalb immer auf den Besuch der Kinder und meines ersten Enkels.

Mit Frau Louise Falotico in Kappelrodeck pflegt die Familie des Autors noch regelmäßigen Kontakt.

Dr. Ing. Manfred Ebenhög und seine Frau Suse

Der Autor hat seine letzten Berufsjahre in Gera verbracht. Chemnitz liegt nicht weit davon entfernt. Dort hat er um das Jahr 1995 dieses sympathische Ehepaar kennen gelernt. Er war überrascht zu erfahren, dass es in dem geteilten, ihm bisher unbekanntem Deutschland noch andere Familien mit dem Namen Ebenhög gibt.

Deren Adressen waren mit einer seinerzeit besonders modernen Telefonbuch-CD schnell gefunden. Alle Namensvetter wurden angeschrieben. Sie haben ausnahmslos geantwortet. Mehrere konnten haben Kopien der so genannten Ariernachweise entbehren. Diese wurden in der Nazi-Zeit für den Nachweis benötigt, dass man nicht jüdischer Abstammung ist. Sämtliche Vorfahren dieser Familien stammten aus Königsee. Erst nach persönlicher Einsicht der seinerzeit noch persönlich einzusehenden Kirchenbücher in drei Pfarreien ist dem Autor klar geworden, dass er damit nicht die Stammreihe seiner eigenen Familie erforscht hat. Er musste in der Gegend um Amberg in der Oberpfalz ganz neu anfangen.

War die ganze Arbeit umsonst? Nein auf keinen Fall. Damit konnten Bekanntschaften mit sehr netten Namensvettern geknüpft werden. gelernt. Der Autor und seine Frau Christa haben jedes Jahr mit Manfred & Suse Ebenhög gemeinsame Urlaubsreisen verbracht. Mal im Osten, mal Westen von unserem endlich nicht mehr geteilten, schönen Deutschland.

Aus dem Stammbaum der Familie Ebenhög war erkennbar, dass unser Freund Manfred Ebenhög in Chemnitz ein Nachfahre des 1790 geborenen Schuhmachermeisters Friedrich Heinrich Ebenhög in Königsee ist. Dessen Tochter Christiane Sophie Juliane hat als Erste den Mut gehabt den Weg in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu nehmen. Ihr Vater Friedrich Heinrich hat sich erst drei Jahre später mit seinen beiden Töchtern Augusta & Johanna zur Auswanderung in diese USA entschlossen. Schon nach vier Generationen war ein so bedeutendes Ereignis in Vergessenheit geraten.

Dr. Manfred Ebenhög (*1936) hat auch seine Erinnerungen aufgeschrieben:

Seit etwa drei Jahrhunderten waren die meisten unserer Urahnen Handwerker. Diese Tradition hat mein 1834 geborener Urgroßvater Johann Heinrich Christoph als Schuhmachermeister in Königsee fortgesetzt. Nach dem Tod der Urgroßmutter im Jahr 1900 ist er zu seinem zweiten Sohn Alfred Otto Albert nach Nordhausen gezogen. Dieser betrieb dort eine Bäckerei. Der Urgroßvater ist 1916 in Sundhausen gestorben.

Bedauerlicherweise ist mein Großvater nur 37 Jahre alt geworden. Er ist 1917 an den Folgen einer Kriegsverletzung gestorben und hinterließ Frau und vier kleine Kinder. Drei Jungen und ein Mädchen. Die Familie litt ohne gesichertes Einkommen große Not. Die Großmutter Anna Elise Agnes, geb. Riehm fand in Nordhausen kein Auskommen. Sie zog mit ihren Kindern nach Magdeburg, weil sie sich dort eher Arbeit und einen besseren Lebensunterhalt versprach.

Aus diesen Gründen sollten die beiden ältesten Jungen, der zweite Sohn Karl und mein Vater Alfred schon früh Geld verdienen und begannen eine Lehre als Handels-Kaufmann. Dem jüngsten Sohn Kurt konnte Großmutter einen längeren Schulbesuch und das Studium ermöglichen. Er ist Bauingenieur und Architekt geworden.

Mit der Weltwirtschaftkrise hat sich die Situation der Familie zusätzlich verschlechtert. Mein Vater wurde drei Tage nach seinem 17. Geburtstag schon wieder entlassen, weil sich das Gummi-Großhandelshaus Ebeling, trotz des Vorzugs Allein-Lieferant für die bekannte Maschinen-Fabrik WEMA zu sein, nicht mehr halten konnte. Zuerst kam eine lange Zeit der Arbeitslosigkeit. Glücklicherweise fand Vati eine Anstellung bei der Polizei in Dessau. Man hat ihm schon nach kurzer Zeit die Möglichkeit einer Weiterbildung angeboten. Damit ist ihm der Wechsel zur Kriminalpolizei gelungen. Im Jahr 1936 hat Vati in Roßlau bei Dessau meine Mutter Erna, geborene Pakendorf geheiratet.

Kurz darauf wurde mein Vater nach Magdeburg versetzt. Wie wir heute wissen hat zu dieser Zeit auch der Postbeamte Walter Ebenhög mit seiner Familie in der Stadt gelebt. Die Existenz einer weiteren Familie Ebenhög in Magdeburg war uns nicht unbekannt. Mein Vater war aber überzeugt, dass keine verwandtschaftlichen Beziehungen bestehen. Dabei sind unsere zwischen 1860 und 1880 in Königsee geborenen Großväter als Cousin noch recht nahe verwandt.

Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges und der Besetzung von Polen stand eine erneute Versetzung an. Die Familie ist nach Bromberg umgezogen und hat dort bis Anfang 1945 gelebt. Mit der Flucht haben die Eltern bis zum letzten Tag gewartet. Es gab die Anweisung von deutschen Dienststellen die Stadt bis zur letzten Möglichkeit zu verteidigen. Am Ende hatten wir doch noch Glück und einen überfüllten Zug erwischt, der uns zu den Großeltern nach Roßlau brachte. Ich erinnere mich noch, dass ich volle drei Tage auf den Koffern im Gepäcknetz gelegen bin.

Mein Vater blieb vorerst noch in Bromberg und zog mit den deutschen Truppen zurück. Im April 1945 wurde er durch Flugzeugangriffe verwundet. Seine Brüder Karl und Kurt waren als Soldaten an der Front. Der älteste Bruder Karl erhielt als Krad-Melder von Partisanen einen Brustdurchschuss. Es war ihm noch mit letzter Kraft möglich bis zur nächsten Sanitätsstation zu kommen. In einem längeren Lazarett-Aufenthalt konnte er wieder einigermaßen geheilt werden.

Nach dem fürchterlichen Krieg waren wir nun alle bei den Großeltern in Roßlau an der Elbe notdürftig untergebracht. Meine Tante Doris, die Frau von Karl, fand nach der Zerstörung von Magdeburg eine Unterkunft auf dem Land. Schließlich haben alle Geschwister mit ihren Familien den Krieg überlebt. Wir sind noch relativ glimpflich davon gekommen.

In den ersten zwei Jahren des Wiederaufbaues konnte sich mein Vater mit verschiedenen Jobs in Magdeburg über Wasser halten. Die Eltern und mein kleiner Bruder Peter waren dort zusammen in einem Zimmer untergebracht. Für mich gab es in Magdeburg keinen Platz. Ich musste bei den Großeltern in Roßlau bleiben und bin dort zur Schule gegangen.

1947 fand Vati als kaufmännischer Angestellter im Eisen- und Hüttenwerk Thale/Harz eine Anstellung. Nachdem wir auch eine Wohnung erhalten haben konnte sich die ganze Familie wieder in Thale versammeln. Vater blieb bis zum Rentenalter in diesem Betrieb.

In der letzten Schulwoche im Jahr 1950 ist mein kleiner Bruder Peter, der noch die erste Klasse besuchte, auf dem Heimweg von der Schule tödlich verunglückt. Im gleichen Jahr begann ich eine Lehre als Maschinen-Schlosser in dem Betrieb, in dem auch mein Vater tätig war.

Die Wirren nach dem Volksaufstand am 17. Juni 1953, insbesondere die Rückstufung der damaligen Löhne, gaben mir Anlass über meine berufliche Zukunft nachzudenken. In dieser Zeit erhielt ich die Chance das Abitur zu machen und dann Maschinenbau zu studieren. Ich ließ mich als Reparaturschlosser in das Walzwerk meines Betriebes versetzen. Wegen der großen Hitze war die Arbeit besonders schwer. Mit den entsprechenden Lohnzuschlägen konnte ich aber ein kleines Sparguthaben für das spätere Studium erarbeiten.

In Halle habe ich 1957 das Abitur gemacht und anschließend in Chemnitz an der Hochschule für Maschinenbau mein Studium begonnen. Nach dem Erhalt des Diploms als Maschinenbauingenieur blieb ich noch fünf Jahre an der TU und promovierte zum Dr. Ing. Danach war ich bis zur Wende in verschiedenen Forschungseinrichtungen tätig.

Es war uns klar, dass wir als Mitarbeiter im Forschungszentrum für Werkzeugmaschinenbau bald auf der Straße landen würden. Mit weiteren drei früheren Arbeits-Kollegen haben wir 1990 einen kleinen Betrieb auf dem Gebiet des CAD computergestützten Konstruierens gegründet. Dort habe ich noch bis zum Ende meines Berufslebens gearbeitet.

Im Ruhestand kann ich mich heute zusammen mit meiner Frau Suse an der Gartenarbeit und unserem quirligen Enkel Christian erfreuen. Der im Oktober 1995 geborene Christian Ebenhög, ein Sohn unserer Tochter Katja, ist übrigens der jüngste Träger unseres nicht allzu häufigen Familiennamens.

Eine weitere Familie aus Königsee hätte der Autor noch gerne kennen gelernt. Max Franz Andreas Conrad Ebenhög war doch erst 1956 in Ilmenau verstorben. Dennoch konnte sich niemand aus der näheren Verwandtschaft an ihn erinnern. Was ist gerade bei diesem Sohn eines weiteren Schuhmachers so interessant? Es geht um die Frage, wie ist dieser Junge zu den vier Paten gekommen ist, die im Taufeintrag vom 28. September 1877 genannt sind?

Die Besonderheit der Paten beruht in deren Namen, ihrer Herkunft und Berufen. Es waren der

                    Landgerichts-Assessor Max Ebenhoeg zu Würzburg     hochfürstliche Husaren Oberstleutnant Franz Anton Ebenhoeg zu Würzburg                       Geheimrath Conrad Ebenhoeg, daselbst                         Magister Andreas Ebenhoeg , daselbst

Die ersten drei im Kirchenbuch genannten Taufpaten haben wahrscheinlich 1877 nicht mehr gelebt. Nach allem Anschein kann nur der in Würzburg geborene Magister Peter Andreas Josef Karl Ebenhöch (1858-1881) persönlich anwesend gewesen sein. Dieser ist dem Orden der Jesuiten beigetreten und in Wijnandsrade (Holland) an einer Lungen-Entzündung gestorben. Die Mutter wollte sein väterliches Erbe für den Orden retten. Von einem damit verbundenen spektakulären Meineid-Prozess ließen die Nazis in einem Buch berichten. (Graf Paul von Hoensbroch: Der Jesuitenorden" Band I. Seiten 496/497)

Was könnte die Schuhmacher-Familie Ebenhög in Königsee oder Ilmenau mit diesen vier Paten aus Würzburg zusammen geführt haben? Verwandtschaftliche Beziehungen scheinen ausgeschlossen.

Im Zeitraum zwischen 1700 und 1850 gehörte die Familie Ebenhöch in Würzburg zur oberen Gesellschaft. Die Vorfahren stammen aus dem Markt Hohenfels in der Oberpfalz. Ihre Ahnenreihe ist im Band 172 des Deutschen Geschlechterbuches veröffentlicht. Die Familie besitzt einen 1645 von dem Hofpfalzgrafen Georg Andreas von Ehrenstein ausgestellten Wappenbrief.

Warum konnte sich keine der aus Königsee stammenden Familien Ebenhög weder an den in Ilmenau verstorben Schuhmacher Friedrich Anton Theodor Ebenhög erinnern? Schon gar nicht deren Sohn. Eine mögliche Erklärung gibt ein im Thüringischen Staatsarchiv Rudolstadt gefundenes Dokument. Die Verwandtschaft war wegen einer Erbschaft zerstritten.

Der Schuhmacher Friedrich Ebenhög aus Gehren im Mai 1879 an den Herrn Staatsminister Dr. von Bertrab im Fürstlich Schwarzburg-Rudolstädtischen Ministerium ein Hilfsgesuch eingereicht mit dem er erfolglos um die Vermittlung in einer Erbauseinandersetzungs-Sache mit seinen Geschwistern gebeten hat. Wie ein Ausschnitt aus seinem Brief belegt scheint es ihm nicht besonders gut gegangen zu sein:

"Ich bin 40 Jahre alt, verheiratet und Erhalter einer aus 5 Köpfen bestehenden Familie. In Königsee geboren und Schuhmacher von Profession, habe ich es verfüglicherweise vorgezogen, da die Schuhmacher wie bekannt, daselbst nach hunderten zählen nach Gehren zu ziehen, hoffend hier ein betreffend Auskommen zu finden, allein der folgende Druck der Zeit, die hohen Miethzinßen für Wohnung, sowie der Mangel an guten Kunden als eben auch der an baar Vermögen zum Einkauf von Vorräthen aller Art sind die Ursachen, daß ich mit den Meinigen bisher auch hier ein kümmerliches und sorgenvolles Leben habe führen müssen und lieber weg führe, denn meine Einnahmen als Fabrikarbeiter, ich liefere nach Stadt-Ilm, nichts bei den unverantwortlich herunter gedrückten Preisen ......"

Nach den Ausführung in diesem Gesuch hatte Friedrich Ebenhög im Jahr 1879 fünf Kinder. Im Kirchenbuch von Königsee war aber nur den 1877 geborenen Sohn Max Franz Andreas Conrad zu finden.

Um 1840 haben sich viele Bürger von Königsee zur Auswanderung entschlossen.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts haben viele Menschen in Amerika eine neue Chance gesucht und ein besseres Leben gesucht. In der Thüringer Zeitung wurde für die Auswanderung geworben.

Regina Ebenhög geb. Wander war seit 1826 verwitwet. Ihre älteste Tochter Johanna könnte den Schustergesellen Johann Freyer auf dessen damals üblicher Wanderschaft kennen gelernt haben. Mit ihm ist sie nach Jüterbog gezogen. Ihre Schwester Dorothee Wilhelmine ist 1831 in Bad Blankenburg verstorben. Vier andere Kinder in Königsee. Zwei der gerade erwachsenen Söhne sind möglicherweise der Verlockung zu Auswanderung erlerlegen.

Sie könnten ihre 60-jährige Mutter überredet haben nach Amerika auszuwandern. So haben Karl Wilhelm Ebenhög, ein Schuhmacher (shoemaker) und sein Bruder Friedrich Wilhelm, ein Schreiner (joiner), Königsee verlassen und sind über Bremen mit der Bark Constitution zusammen mit ihrer Mutter in die USA ausgewandert. Am 19.10.1840 sind alle drei zusammen mit insgesamt 295 Passagieren auf Ellis Island in New York angekommen. Ihr Name wurde zu Ebenhecht verändert.

Zwei servantgirls mit dem Namen Sophie Ebenhecht (24) und Christine Ebenhecht (21) waren auch an Bord der Constitution. Hinter der 21 jährigen Christine verbirgt sich Christine Ebenhög, geb. Bock. Sie hat noch kurz vor der Abreise in Königsee den Schuhmacher William Ebenhecht geheiratet. In der Passagierliste steht direkt bei dieser Gruppe der Einwanderer noch der 22-jährige Schreiner Franz Bock. Er könnte der Bruder der Christine sein.

Christiane Sophie Juliane ist eine Tochter des Schuhmachermeister Friedrich Heinrich Ebenhög. Sie hat sich ihren Verwandten angeschlossen und wahrscheinlich recht positive Briefe aus New York an ihren Vater geschickt. Jedenfalls hat auch der 53-jährige Schuhmachermeister Friedrich Heinrich Ebenhög drei Jahre später ebenfalls den Mut gefunden die Heimat zu verlassen.

Selbstverständlich hat ein ordentlicher Bürger rechtzeitig einen Antrag zur Auswanderung gestellt. Schließlich musste amtlich geprüft werden, ob er nicht irgendwo Schulden oder andere Verpflichtungen hat. Am 28. Januar 1843 wurde im Rudolstädter Wochenblatt bekannt gemacht, dass der Schuhmacher-Meisetr Friedrich Ebenhög(t) mit seinen Töchtern Auguste und Johanna nach Amerika auswandern will.

Der Auswanderungsplan wurde verwirklicht. Vater und Töchter sind mit dem Schiff Emma über Bremen ausgewandert. Am 12. Juli 1843 haben sie New York erreicht. Im erwähnten Wochenblatt wurde ihr Familienname noch geringfügig verstümmelt. Dagegen wurde auf der Passagierliste der Emma der Familienname Ebenhoeg vollkommen richtig geschrieben. Respekt! Erst bei der Abschrift der Passagierlisten und der Datenerfassung in amerikanische Datenbanken ist daraus der Ebenhveg entstanden.

Die Kirchenbücher der Evangelical Lutheran Church St. Mathews in New York sind verfilmt. Daraus ist ersichtlich, dass der 21 Jahre alte Junggeselle Franz Emil Neuperger, ein Schuhmacher, aus Königsee in Schwarzburg-Rudolstadt, am 05.12.1844 die 17-jährige Jungfrau Johanna Henriette Ernestine Ebenhög aus Königsee geheiratet hat. Emil Neuperger. der Vater des Bräutigams war einer der drei Trauzeugen. Vater und Sohn sind schon zwei Jahre vor der Braut in die USA ausgewandert. Sie haben ebenfalls von Bremen mit der Constitution Ellis Island am 22. September 1841 erreicht.

Auch der 26-jährige Tischler Friedrich Wilhelm Ebenhoeg(t) hat am 10.06.1845 geheiratet. Seine 19-jährige Braut Maria Gertrude Peil, stammt aus Monzernheim bei Worms im damaligen Hessen-Darmstadt. Heute ist das der südöstliche Teil von Rheinland-Pfalz.

Erst fünf Jahre später wurde ebenfalls in der St. Mathews Church in New York John William Ebenhegt, das erste Kind dieses Ehepaares getauft. Am 23. Oktober 1848 erhielt Friederick Ebenhoeg die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sein Bruder William Ebenkeht bereits am 3. November 1845.

Bei der 1870 in New York durchgeführten Volkzählung (Census) ist John Ebenhide zusammen mit seinen Eltern Wilhelm & Gertrude und vier Geschwistern aufgeführt. Mit der Namensvariante Ebenheit steht er im Census von 1880. Sein Alter ist hier mit 25 Jahren falsch geschätzt. Im Census von 1900 ist Wilhelm nicht mehr erwähnt. Er scheint vor 1900 gestorben zu sein. Die Witwe Gertrude lebte bei der Familie ihres Sohnes John. In dieser handschriftlichen Volkszählungsliste wird der Name mit Ebenheight geschrieben. Im Original könnte man auch Ebenreght lesen.

In dem verfilmten Kirchenbuch der deutschsprachigen Pfarrei St. Mathews waren noch Taufeinträge von zwei Kindern des Ehepaares Christine & Wilhelm Ebenhög, geb. Bock zu finden. Emilie wurde am 22.06.1842 in New York getauft und Jakob Philipp am 22.09.1861.

Wie könnte sich nach 1900 der Familienname Ebenhög in den USA verändert haben? Jedenfalls konnten die Mädchen mit der Heirat diesen Namen nicht erhalten. Vielleicht Kinder tragen deren Kinder und Enkel jetzt die Namen Baumbauer und Neuberger. Die letzten Varianten der Namen von Fred & William Ebenhög sind aus der Naturalization bekannt. Die Nachfahren von Wilhelm und Gertrude Ebenhög, geb. Peil könnten noch immer Ebenhoeg heißen. Möglicherweise wurde dieser inzwischen kaum verändert. Der ungewöhnliche Name Ebenkeht hat sich in den USA wohl kaum erhalten können.

Ohne Einsicht in staatliche Personenregister kann die Familienforschung in USA nicht fortgesetzt werden. Auch der Datenschutz wird weitere Recherchen behindern. Vielleicht finden sich Nachfahren, die diesen Stammbaum und die Familienchronik bei GENENEAT finden.

Ein Urenkel des Schuhmachers Ebenheg wurde in Gera ansässig.

Nils Henrik Sjöström, ein Familienforscher aus Kumla in Schweden ist bei seinen eigenen Recherchen auf den Rats-Türmer Johann Georg Martin Ebenhech(t) (1755-1814) in Gera gestoßen. Er hat die Forschungsergebnisse des Autors in der genealogischen Datenbank GEDBAS entdeckt. Martin Ebenhech(t) ist ein Sohn des Johann Andreas Ebenhög aus Eisfeld. (1727-1795). Beide Familienforscher haben viele E-Mails und Briefe ausgetauscht. Einmal hat ihn der Autor und seine Frau in einem wunderschön gelegenen Ferienhaus am Unden-See besucht. Es war eine herrliche Woche.

Aus diversen Archivalien im Stadtarchiv Gera konnte die Lebensgeschichte dieses Musikus und Glöckners Ebenhech(t) gut rekonstruiert werden. Am 20.11.1782 wurde ihm Bürgerrecht in Gera erteilt. In dieser Zeit war er noch Knopfmacher. Danach war er einige Zeit Türmer auf der St. Salvator Kirche zu Gera gewesen.

Im Jahr 1803 war die Stelle eines Türmers auf dem Rathaus Turm neu zu besetzen. Darum hat sich Martin Ebenhech bei dem Bürgermeister und Rat der Stadt Gera und auch bei dem Fürstlichen Haus Reuß erfolgreich beworben.

Die Tätigkeit eines Ratstürmers wurde mit achtzehn Groschen in gangbarer Münze pro Woche und zusätzlich ein Klafter Scheitholz, sowie einem Haufen Reisig pro Jahr honoriert. Er musste täglich nachts zwischen 21:00 und 04:00 Uhr Ausschau halten, ob in der Stadt oder der näheren Umgebung ein Feuer ausgebrochen ist. Dazu hatte er klar definierte Signale mit der Turmglocke oder einer Notfahne Zeichen zu geben.

Auf dem Rathaus-Turm war er bis zu seinem Tod im Jahr 1814 tätig. Seine zweite Ehefrau hat dann den Rat der Stadt gebeten ihr die Aufgaben ihres verstorbenen Mannes weiterhin befristet zu überlassen. Es ist nicht bekannt, ob man ihrem Antrag zugestimmt hat.

Auch im Thüringischen Staatsarchiv Greiz waren einige interessante Archivalien zu beschaffen. Beispielsweise das am 11. Oktober 1802 verfasste Testament und eine nach seinem Tod erstelle Aufstellung seines Vermögens . Reich war der Musikus nicht. Die ganze Erbschaft beläuft sich auf 24 Gulden und 16 Kreuzer. Davon waren den fünf Kindern im Alter zwischen 8 und 18 Jahren schon im Testament jeweils fünf Gulden zugesagt worden.

Der Musikus und Ratstürmer hinterließ auch mehr als 30 Bücher; eine für die damalige Zeit außerordentlich große Anzahl. Sie wurden von dem Taxator mit Titeln und Erscheinungsjahr im Einzelnen aufgelistet. Mindestens sechs dieser Bücher und zwar:

- Schröckh, Johann Matthias: Das Leben Doctor Martin Luther. (Leipzig 1771)

 - Elsässer, Gottlob F:. Freye Gedanken über Gott, Universum, Mensch und dergl.  (Hamburg 1788)

- Gleichmann, Johann Zacharias: Historischer Schauplatz sehr merckwürdiger

Geschichten von unterirdischen Schätzen. (Hannover 1747)

- Hellwig, Christoph: Vermehrter, auf hundert Jahre gestellter curiöser Hauß- Kalender. Nemlichen von 1701 bis 1801. (Erfurt 1731)

- Steinbeck, Christoph Gottlieb: Der aufrichtige Kalendermann. (Gera 1795)

 - von Rochow, Friedrich Eberhard: Versuch eines Schulbuches für Kinder der    Landleute oder zum Gebrauch in Dorfschulen. (Berlin 1772)

Davon könnte man einige noch für viel Geld antiquarisch erwerben, oder in diversen deutschen Bibliotheken lesen. Wenn J.M.G. Ebenhecht all diese Bücher gelesen und sich mit dessen Inhalt beschäftigt hat, war er wirklich vielseitig interessiert. Seine Bücher behandeln religiöse und naturwissenschaftliche Themen. Sie beschreiben u.a. das Sonnensystem, die Kugelform der Erde, astronomische Phänomene, aber auch Metalle, Mineralien und Kräuter. Nicht zuletzt schienen ihm Bildungs- und Erziehungsfragen wichtig.

Aus seiner ersten Ehe mit Johanna Rosina, geb. Enke, mit der er sich 1781 im benachbarten Dorna vermählt hat, stammen sieben Kinder. Offensichtlich sind davon zwei noch zu Lebezeiten der Mutter gestorben. Als sechstes Kind wurde am 17.2.1794 Heinrich Wilhelm Ebenhech getauft. Wie mir mein Freund Nils Henrik mitgeteilt hat scheint dieser Trompeter in der Fürst Reuss'schen Armee während der Völkerschlacht bei Leipzig als Feldmusikant schwedischen Södermanlands Regimente aufgetaucht zu sein.

Nils Henrik hat dem Autor versprochen die Geschichte seiner mütterlichen Ahnenreihe an dieser Stelle in seiner Muttersprache fortzusetzen. Der fast 84-jährige Psychologe hat einige gesundheitliche Probleme. Er ist aber noch fit und lebenslustig und wird bestimmt bald die Chronik einer reisefreudigen Familie schreiben und abschließen können. Lassen wir ihm noch etwas Zeit.

Der Buchbinder Friedrich Ebenhecht kam aus Gera nach Straubing in Bayern.

Inzwischen konnte der Stammbaum der oberfränkisch/thüringischen Familie Ebenhög noch mit einem dänischen Nachfahren ergänzt werden. In Holstebro auf Jütland / Dänemark lebt der Rechtsanwalt Finn Skougaard Ebenhecht und dessen Ehefrau Mette. Er ist seit 1977 Malteserritter.

Sein Urgroßvater ist der als Ausländer bezeichnet Christian Friedrich Ebenhecht (1788-1842) aus Gera in Sachsen. Er ist der sechs Jahre ältere Bruder des nach Schweden ausgewanderten Heinrich Wilhelm Ebenhech. Der Konvertit Friedrich Ebenhecht hat im November 1829 den Buchbinderbetrieb des Heinrich Valentin in Straubing am Oberen Markt übernommen. Vor der Aufnahme in die Zunft der Buchbinder musste er seine selbst verfertigten Meisterstücke, vorzeigen. Das waren das Protokoll dieser Kommission, ein Gebetbuch und ein Evangelium (Bibel). Die Prüfungskommission war mit den Arbeiten zufrieden. Sie hat Friedrich Ebenhecht I. als Meister aufgenommen und ihm erlaubt die Buchbinder Gerechtigkeit des Herrn Valentin käuflich zu übernehmen.

Auf dem Weg nach Straubing kam der vorehelich geborene Sohn Friedrich II. in Landshut zur Welt. Dieser wurde dort am 20. Oktober 1819 katholisch getauft. In Bayern gab es dazu keine Alternativen. Zwangsläufig musste auch der Vater die Religion wechseln. Der Vater hat erst im Januar 1830 Anna Katharina Burgsteiner aus Padling bei Hunding geheiratet.

Im Erdgeschoss des Hauses von Herrn Valentin werkelte der sächsische Buchbinder Ebenhecht, der nie so recht Fuß fassen konnte in der Gäubodenstadt. Er hatte seinen Sohn Friedrich als Lehrling bei sich, der gleichaltrig mit Joseph Valentin war.

Der junge Ebenhecht (1819-nach 1875) war nicht nach dem Geschmack des zurückgezogen lebenden Valentin. Er war ein stadtbekannter Raufbold, den das Zivilstrafgericht II. Instanz am 14. April 1835 öffentlich zu 9 Rutenstreichen wegen Körperverletzung verurteilt. Das hat sich aber erst in der Zeit seiner Einberufung zum Militär ereignet.

Möglicherweise hat er das elterliche Buchbinder-Geschäft in übernommen. Sehr erfolgreich scheint er damit nicht geworden zu sein. Er ist in Bayerischen Gerichtsakten um 1867 als umherziehender Petroleum-Lampen Händler vermerkt.

Am 17. Juli 1842 wurde Friedrich Ebenhecht III (1842-1910) in Straubing getauft. Im Schuljahr 1854/55 ist er als Schüler der 1. Klasse in der der königlichen Landwirtschafts- und Gewerbeschule zu Straubing eingetragen. Er hatte den Beruf eines Hutmachers erlernt. Schon 1867 war als Wanderbursche in Dänemark. Seit 1870 war er dauerhaft dort. Drei Jahre später hat er geheiratet. Anfänglich hat er in Odense (Fünen) als Hutmacher gearbeitet. Nach der Jahrhundertwende hatte er in Kopenhagen ein Geschäft mit Obst und Gemüse.

Das Ehepaar hatte viele Kinder; nur fünf von diesen überlebten die Kindheit. Heute gibt es in Dänemark nur Nachkommen von den beiden Töchtern Theresia und Emilie. Finn Skougaard Ebenhecht ist ein Enkel der Theresia. Dazu muss man wissen, dass es in Dänemark möglich den Namen der Großmutter zu führen.

Finn Skougaard Ebenhecht hat den Stammbaum der oberfränkisch/thüringischen Familie Ebenhög mit seinen dänischen Verwandten ebenfalls zu GENEANET übertragen. Wahrscheinlich wird er diese Familienchronik noch mit der Geschichte der dänischen Verwandtschaft in seiner Mutter Muttersprache ergänzen. Die amerikanische Verwandtschaft wurde inzwischen auch in Dänemark vergessen.

Der Anwalt Finn Skougaard Ebenhecht ist ein Enkel von Theresia. Er führt den Namen Ebenhecht fort und hat sich 2001 einen Familien-Wappen eintragen lassen. Es ist eine Kombination aus dem 1645 ausgestellten Wappen für die Ungelder Leonhard & Georg Ebenhöch aus Hohenfels in der Oberpfalz, deren Nachfahren über zwei Jahrhunderte in Würzburg ansässig waren und einem Wappen, der für den um das Jahr 1519 in Regensburg nachweisbaren Peter Ebenhöch ausgestellt war.

Der Buchbinder Friedrich Ebenhecht II. hatte zwei Söhne. Der andere ist Dr. Otto Ebenhecht (1844-1910). Er hat in Salzburg das Studium der Medizin und Chirurgie absolviert. Nach einer 12-jährigen Dienstzeit in der Bayerischen Armee hat er 1892 in Schärding/Österreich eine Kaltwasserheilanstalt nach der Methode von Pfarrer Kneipp etabliert. Er war nicht nur ein guter Arzt, sondern auch ein erfolgreicher Geschäftsmann. Für die kleine Stadt hat er viel bewegt. Seine Leistungen wurden 1909 mit der Ernennung zum Ehrenbürger gewürdigt. Kurz danach ist er in Gratsch bei Meran gestorben. Der Ehrenbürger wurde überführt und am 7. Januar 1910 im Stadtfriedhof Schärding feierlich beigesetzt.


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